Nach diesem seltsamen Viertelfinale im Osten bleibt festzustellen, dass bereits die ersten drei Teams ausgeschieden sind, darunter mit den Capitals sogar die punktbeste Mannschaft der Vorrunde. Auch die guten Saisons der New Jersey Devils und Buffalo Sabres fanden ein jähes Ende. Dafür kommt es nun zu einem Duell zweier “original six”-Teams und Montreal fordert erneut als krasser Außenseiter eine bisher starke Offensive heraus.

Pittsburgh Penguins (4) vs Montreal Canadiens (8)
Stand der Serie: 3-4
(6:3/1:3/2:0/2:3/2:1/3:4/2:5)
Um es kurz zu machen: Jaroslav Halak, der fast im Alleingang die Capitals aus den Playoffs beförderte, wurde in Spiel 1 entmystifiziert. Der Unterschied zum Viertelfinale war die Effizienz des Penguins-Powerplays. Vier von sieben Möglichkeiten wurden genutzt, Washington wies in der gesamten Serie nur eine Bilanz von 1/33 auf. So einfach kann Eishockey manchmal sein und dies musste auch Halak anerkennen, der nach dem fünften Gegentor seinen Posten für Carey Price räumte. Montreal muss neben der Niederlage wohl auch den Ausfall von Andrej Markov verkraften, der nach einem fairen Check von Matt Cooke unglücklich in die Bande krachte.
Mit einem starken Halak ist dagegen alles möglich, auch ein Sieg in Pittsburgh. Die frühe Führung glich Brian Gionta aus, danach war erneut Halak-Time, der reihenweise die Penguins verzweifeln ließ. Auf der Gegenseite traf Mike Cammalleri zweimal, das nennt man wohl effektives Eishockey.
Das können die Penguins aber auch spielen, wie man im dritten Match sah. Lange fiel auf beiden Seiten dank zweier starker Goalies kein Tor, erst Evgeni Malkin brach den Bann in der 42. Minute. Danach kam es, wie es dann so oft kommt: Die hinten liegende Mannschaft geht auf Risiko, nimmt den Torhüter heraus und kassiert das entscheidende empty net goal, in diesem Falle durch Pascal Dupuis. Die Penguins holen sich durch das Mini-Break ihren Heimvorteil wieder zurück.
Langsam, aber sicher entwickeln sich die Canadiens zum Favoritenschreck. Vor eigenem frenetischen Publikum glich man die Serie aus. Die frühe 2:1-Führung der Penguins konnte erst spät egalisiert werden und dann ging Montreal anderthalb Minuten später durch einen abgefälschten Pass von Brian Gionta auch noch in Führung. Die wieder einmal ausgezeichnete Leistung von Jaroslav Halak (33 abgewehrte Schüsse) braucht hier nicht explizit erwähnt zu werden…
Im fünften Spiel besannen sich die Penguins auf die Taktik, Halak die Sicht zu nehmen und machten folgerichtig beide Tore, als vor dem Kasten immenses Gewühle herrschte. Kris Letang und Sergej Gonchar waren die Torschützen. Der Anschluss für Montreal fiel erst in der Schlusphase bei einer 6:4-Überzahl der Canadiens, als einmal Mike Cammalleri sein neuntes Playofftor erzielte. Damit versaute er den Shutout von Marc-Andre Fleury, der zuvor alle 32 Schüsse abgewehrt hatte.
Wo wären die Canadiens ohne ihre Toremaschine Mike Cammalleri? Wahrscheinlich schon im Urlaub, aber nicht beim sechsten Spiel dieser Serie. Die ersten zwei Tore gingen auf sein Konto, dann zog Montreal durch einen Blueliner von Jaroslav Spacek und einer grandiosen Einzelleistung von Maxim Lapierre auf 4:2 davon. Bill Guerin konnte nur noch den Anschluss herstellen, als Pittsburgh mit 6 gegen 5 spielte.
So, spätestens jetzt sollte man Angst bekommen vor den Montreal Canadiens. Nachdem sie (wohlgemerkt als ligaweit 16ter!) die punktbeste Mannschaft der Vorrunde eliminiert haben, werfen sie nun auch den aktuellen Titelverteidiger aus den Playoffs und schließen die altehrwürdige Mellon Arena ab. Durch Tore von Brian Gionta, Dominic Moore, Mike Cammalleri und einem Shorthander von Travis Moen zog Montreal auf 4:0 davon und Marc-Andre Fleury beendete seinen Arbeitstag. Zwar kamen die Penguins durch Chris Kunitz und Jordan Staal noch einmal auf 4:2 heran, aber Brian Gionta traf erneut im Powerplay.

Boston Bruins (6) vs Philadelphia Flyers (7)
Stand der Serie: 3-4
(5:4 n.V./3:2/4:1/4:5 n.V./0:4/1:2/3:4)
Unterhaltsam war es, das erste Match der Serie. Bostons ständige Führungen wurden immer wieder von den nie aufgebenden Flyers egalisiert, unter anderem auch zum 4:4-Endstand durch zwei Tore von Mike Richards und Daniel Briere in der 53. bzw. 57. Minute. Dann kam der große Auftritt des Marc Savard, der wegen einer Verletzung zwei Monate nicht spielen konnte. Ausgerechnet er brachte den Puck zum letzten Mal hinter Brian Boucher ins Tor der Flyers.
Das Spielchen “Führung Boston, Ausgleich Philadelphia” funktionierte nur zweimal, indem Mike Richards und Daniel Briere die Tore von Johnny Boychuk und Miroslav Satan konterten. Milan Lucic war da listiger und erzielte den 3:2-Endstand nur zwei Minuten vor Schluss. Zuwenig Zeit für die Flyers, auszugleichen und somit gehen die Bruins mit zwei gewonnenen Spielen in die Auswärtsbegegnungen.
Spiel 3 startete furios: Asham traf für die Flyers bereits in der dritten Minute. Als sich die Aufregung legte, sorgten Blake Wheeler und Miroslav Satan für etwas Ruhe auf den Rägen. Im letzten Drittel erhöhten Mark Recchi und Patrice Bergeron auf den Endstand von 4:1.
Die Flyers verhindern den Sweep im vierten Spiel und gewinnen nach dramatischem Spielverlauf in der Overtime mit 5:4. Dabei hätte die Spannung vermieden werden können, führten die Flyers doch mit 3:1 und mit 4:3, bis 28 Sekunden vor Spielende Mark Recchi die Bruins rettete. Nach 14 Minuten beendete Simon Gagne das vierte Drittel mit dem besseren Ende für Philadelphia. Nun geht es zum fünften Spiel nach Boston, wo die Flyers seit 1976 kein Playoff-Spiel mehr gewonnen haben.
Als in Match 5 Flyers-Torhüter Brian Boucher in der 25. Minute verletzt vom Eis musste, befürchtete man in Philadelphia wohl Schlimmes. Bereits während der Saison musste man fünf Goalie-Verletzungen überstehen. Überraschenderweise gewann man aber mit 4:0 durch Tore von Ville Leino, Scott Hartnell und Simon Gagne (2) und Ersatzmann Michael Leighton wirkte nicht so, als hätte er 21 Spiele pausieren müssen. Nun geht die Serie zurück nach Philadelphia, wo die Flyers es in der Hand haben, für den Ausgleich zu sorgen.
Und der Ausgleich in der Serie ist geschafft. Mit 2:1 gewinnen die Flyers und machen einen 0:3-Rückstand nach Spielen wieder wett. Ersatzgoalie (obwohl das bei der hohen Fluktuation im Flyers-Tor schwer zu sagen ist) Michael Leighton hielt 30 Schüsse, vorne trafen Mike Richards und Daniel Briere. Erst kurz vor Ende konnte Milan Lucic den Ehrentreffer für die Bruins erzielen, die nun unerwartet doch über sieben Spiele gehen müssen.
Nur zum Mitschreiben: Die Bruins führten in der Serie mit 3:0 Siegen und verdaddelten diese Führung. Im logisch folgenden siebten und entscheidenden Spiel führen die Bruins mit 3:0 Toren und -der Leser ahnt es bereits- verdaddeln diese Führung. Bis zur 15. Minute war nach Toren von Michael Ryder und Milan Lucic (2) alles in Ordnung, doch bereits im ersten Drittel gelang James van Riemsdyk der Anschlusstreffer. Scott Hartnell und Daniel Briere sorgten für den Ausgleich und als Simon Gangne in der 53. Minute im Powerplay traf, wurde es wirklich still. Die Flyers sind damit das dritte Team, das einen 0:3-Rückstand aufholen konnte. Zuvor gelang dies den Toronto Maple Leafs (1942) und den New York Islanders (1975).
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