Was ist nur bei der Düsseldorfer EG los? Seit der Bekanntgabe der Nachricht, dass sich der aktuelle Namens- und Hauptsponsor Metro zurückzieht, sind viele Gerüchte hochgekocht und ebenso schnell wieder begraben worden. Nun hat es den Anschein, als könne die DEG eine weitere DEL-Saison spielen. Was bisher geschah:
Grundsätzlich ist zwischen der “DEG Eishockey GmbH” und dem eingetragenen Stammverein zu unterscheiden. Letzterer wird seit September von Markus Wenkemann angeführt, einem Vertrauten des zweiten Vorsitzenden Manfred Kirschenstein, welcher als Manager des ISS Domes in Düsseldorf-Rath fungiert. Die Troika komplettiert Frank Merry als Schriftführer, seines Zeichens Mitglied der Geschäftsführung des Reinigungsunternehmens ISS. Der geneigte Leser wird bereits aus diesen Informationen gewisse Rückschlüsse ziehen können…
Auf den Spielbetrieb der Profis hatten diese Umstrukturierungen keinen großen Einfluss. Bis die Metro ihre Anteile an der GmbH für einen symbolischen Euro an den Verein verkaufte, der nun mit 50,4% größter Anteilseigner der GmbH ist.
Am Abend des 06. Dezember kam es zur Gesellschafterversammlung, über deren Verlauf es durchaus unterschiedliche Angaben gibt. Einen Tag später war jedenfalls klar, dass der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Joachim Suhr, sein Stellvertreter Ben Zamek und Geschäftsführer und Manager Lance Nethery von ihren Posten zurücktraten.
Über die Umstände gab es zuerst widersprüchliche Aussagen. Am nächsten Morgen war die Hoffnung zuerst groß:
“Es wird hier weiter DEL-Eishockey geben”, sagte DEG-Präsident Markus Wenkemann der “Bild”.
Statt eines neuen Großinvestors sollen mehrere Sponsoren die Lücke schließen. “Die Last wird ab nächster Saison auf viele Schultern verteilt – und das langfristig”, sagte der Inhaber eines Malerbetriebs. Das neue Konzept des Traditionsklubs soll schon bald vorgestellt werden.
Mit zunehmendem Zeitverlauf wurden diese Aussagen zunehmend mysteriös – die Namen der Sponsoren bleiben ebenso nebulös wie die Forderung dieser, Nethery und Suhr müssten zurücktreten, um einen Neuanfang zu ermöglichen.
Die Unsicherheit der Fans nahm nach der Pressemitteilung der Ex-Aufsichtsratvorsitzenden Suhr und Zamek zu, die teilweise detailliert den Verlauf der Sitzung rekonstruierte. Auslöser der Diskussion war ein Antrag Netherys, im Falle einer großen Etatlücke die Liquidation der DEG GmbH zum 30.04.2012 einleiten zu können – ein rein formeller Akt, um Abfindungszahlungen zu verhindern.
Dies wurde von Wenkemann abgelehnt:
Wenkemann hatte die Anwesenden mit folgender Aussage überrascht: „Wir spielen im nächsten Jahr in der DEL, der Etat ist gedeckt. Es gibt Geldgeber, die aber nur in eine DEG ohne Nethery und Suhr investieren wollen“.
Suhr und Nethery traten daraufhin von ihren Ämtern zurück. Zamek, vom Stellvertreter zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats aufgestiegen, wollte nun detaillierte Zahlen und Namen genannt haben, um die neue Situation bewerten zu können.
Als Wenkemann es ablehnte, Fakten auf den Tisch zu legen, weil es von den Sponsoren nicht gewünscht sei, trat Zamek mit den Worten zurück: “Das erinnert mich an längst vergangene Zeiten. Wenn ich nicht weiß, für welche Zahlen ich gerade stehen soll, kann ich auch keine Verantwortung dafür nehmen.”
In das entstandene Machtvakuum wurde ein alter Bekannter in Form von Elmar Schmellenkamp als neuer Geschäftsführer verpflichtet.
Immerhin erreichte die DEG ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk in Form von 700.000 Euro, die ein lokaler Unternehmer als Startschuss spendete. Nebenbei sprach er eine Empfehlung an den neuen Vorstand aus, die Zusammenarbeit mit Nethery als Manager fortzuführen – was als klares Signal zu verstehen ist. Auch die Toten Hosen stellten Unterstützung in Aussicht, wenn ein klares Konzept vorliegt. Die Fans gehen jedenfalls schon einmal in Vorleistung und installieren eine Bande im ISS-Dome. Derweil versucht man auf der Geschäftsstelle einen ungewöhnlichen Weg zu gehen und wirbt darum, die DEG als Weltkulturerbe anzuerkennen.
Wie immer, wenn ein Profiverein finanziell mit dem Rücken an der Wand steht, kommt früher oder später der Ruf nach Unterstützung durch die Stadt. OB Dirk Elbers erteilte diesen Überlegungen eine direkte Absage:
Das Problem der DEG ist ein Problem der Liga. Es gibt in der DEL schlicht zu viele Vorrundenspiele. In allen Verhandlungen hat sich die Liga beim Spielmodus keinen Millimeter bewegt. Der ISS Dome ist als Veranstaltungshalle und auch für Eishockey gebaut worden. Andererseits wäre es für die Vermarktung leichter, wenn man nicht so viel Rücksicht auf die Spielzeiten des Eishockeys nehmen müsste. Es ist nicht so, dass wir nicht wüssten, was wir mit der Halle machen sollen.
Zumindest der letzte Satz ist eine mutige Aussage, betrachtet man die Zahl der anderen Veranstaltungen, die abseits des Eishockeys stattfanden. Enstprechend starker Gegenwind traf Elbers danach in der Boulevardpresse, in der sich diverse Fraktionen des Stadtrats mit kontroversen Meinungen zu Wort meldeten. Elbers wiederum verwies auf die indirekte Unterstützung der DEG durch das Sponsoring der Stadtsparkasse und der gestundeten Miete für den ISS Dome. Die DEG ist damit zum Politikum im Stadtrat geworden.
Entgegen aller vollmundigen Ankündigungen scheint es nach wie vor kein greifbares Konzept zu geben, wie es in der Pressemitteilung der Stadt Düsseldorf zu lesen ist:
Die DEG muss nach wie vor zunächst ihre Hausaufgaben machen und ein tragfähiges Konzept zur finanziellen Zukunft und Sicherung ihrer Mitgliedschaft in der DEL erarbeiten. Die Verwaltung der Landeshauptstadt Düsseldorf stellt (…) in Aussicht, der DEG für die Saison 2012/2013 ein einmaliges Sondersponsoring in Höhe von 450.000 Euro zu gewähren. Diese Zahlung wird an die Auflage geknüpft, dass die DEG spätestens bis zum 1. Mai 2012 ein tragfähiges und nachhaltiges Konzept zur Zukunftssicherung des Vereins vorlegt. Das Geld wird erst dann ausgezahlt, wenn das Konzept vorliegt.
Zudem ist von einer Bürgschaft der Stadt Düsseldorf die Rede, die es der DEG zumindest erlauben würde, Spielerverträge zu verlängern. Auf der Facebook-Seite der DEG Metro Stars zeigt man sich jedenfalls zuversichtlich und kündigt weitere positive Nachrichten an.
Wir warten gespannt!
22.01.2012
Während das von den “Toten Hosen” kreierte Trikot von den Fans gut angenommen wird, melden erste Quellen den beginnenden Ausverkauf des Spielerkaders. So sollen Patrick Reimer und Marco Nowak in Nürnberg unterschrieben haben. Die Ice Tigers sollen auch großes Interesse an Evan Kaufmann, Connor James und Trainer Tomlinson zeigen, Verhandlungen wurden aber dementiert.