Vor einer Woche fiel der Vorhang und es war offiziell, die Hamburg Freezers sind – zumindest vorerst – Geschichte. Trotz der last-minute-Aktion, die vorbildlich vom Kapitän angeführt wurde, hat die Anschutz Entertainment Group keine Lizenzunterlagen eingereicht, auch hat sich kein anderer Sponsor gefunden. (Vermutlich sind alle bei diesem Fussball-Dino involviert)

Die stets im Raum schwebende Mahnung der AEG, man wolle sich auf ein Team konzentrieren und die Freezers möchten doch bitte aus den Minuszahlen herauskommen, wird nun auf traurige Weise umgesetzt. Als Außenstehender fragt man sich allerdings, ob Fans und Vereinsumfeld nicht früher hätten informiert werden können, die jährlichen Defizite wurden ja auch bisher stets durch die AEG ausgeglichen. Bereits 2011 bahnte sich etwas an, ohne dass es Konsequenzen gegeben hätte. So blieb nur der verzweifelte Weg, in allerletzter Minute einen weißen Ritter zu finden, den man bereits die Jahre zuvor nicht hatte ausfindig machen können.

Die Lizenz hat damit seit 1999 den dritten Standort ruiniert: Nach Landshut erfolgte der Umzug in die bayrische Landeshauptstadt, in der der Versuch „Eishockey in München“ aber nach 3 Jahren abgebrochen wurde. Hauptsächlich zur Belebung der gerade fertiggestellten Color Line Arena verfrachtete man die Retorte den Verein nach Hamburg, wo allerdings auch die ganz großen Erfolge – trotz teilweise großer Investitionen – ausblieben. Immerhin erreichte man zweimal das Halbfinale, in dem man allerdings gegen die späteren Meister Frankfurt bzw. Ingolstadt unterlag.

Was bleibt von den Freezers? Mit Sicherheit einer der ungewöhnlichsten Teamnamen überhaupt. Das Einbeziehen von Maskottchen und ähnlichen Identifikationsfiguren hat im Eishockey seit Jahrzehnten Tradition. Dass man allerdings ein Küchengerät in den Vereinsnamen einbezieht, war wohl ein Novum. Dabei hätte es gerade in Hamburg doch so viele andere Möglichkeiten gegeben! Nein, die Verantwortlichen entschieden sich für die „Freezers“ und damit auch für das einzige Maskottchen, das unseres Wissens nach wegen anhaltender Erfolglosigkeit gefeuert wurde. Man fand Ersatz in gleich zwei anderen Wesen, wenn man „Body“ und „Check“ so nennen möchte. Diese liefen sich direkt bei der Vorstellung auf dem Eis gegenseitig über den Haufen. Immerhin wurde damit der Namensbezug direkt umgesetzt. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen und die nächste Maskottchenablösung wurde hier schon gar nicht mehr registriert.

Auch bei den Spielern und Trainern hatte man nicht immer Glück. Insgesamt verschliss man 9 Trainer, die allesamt kanadische Wurzeln hatten. Nicht umsonst setzte man daher 2005 auch auf die „french connection“ mit Gratton, Fortier und Beaucage. Die ohne Frage talentierte Sturmreihe sorgte für Entertainment und war in gegnerischen Hallen gefürchtet, teilweise sogar verhasst. Auch sie konnten jedoch nicht verhindern, dass die Freezers noch einen anderen Ruf hatten. Kritikern galten sie bei vielen Gelegenheiten schlicht als Punktelieferant. Wenigstens für Berlin. Am Rhein hatten die Eiskästen einen ähnlichen Ruf, es ist kein Geheimnis, dass sie der Lieblingsviertelfinalgegner der DEG waren. Hamburg als Gegner in der Runde der letzten acht war gleichzusetzen mit der Buchung des Halbfinaltickets.

Das waren schöne Serien! Und was werden wir am meisten vermissen? Natürlich, das Radio.

5/5 (3)

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